Ein Schloss für alle
In einem Industrievorort von Mülheim/Ruhr liegt am Flussufer ein alter
Herrensitz: das Schloß Styrum. Der letzte Besitzer war ein
Thyssen-Baron, der es 1959 an die Stadt verschenkte mit der Auflage, dort eine
Altentagestätte einzurichten. 1992 wurde die Freizeitanlage mit Park
erweitert um einen Biergarten, Künstlerateliers, ein Aquarium, das
Wassermuseum Aquarius und eine Kleingartenanlage mit Taubenzucht.
So entwickelte sich aus dem einstigen Arbeiterclub, der immer noch existiert,
ein soziales Biotop, in dem verschiedene Individuen und
Grüppchen miteinander leben und für unverkennbares Ruhrpottkolorit
sorgen.
Taubenväter und Angler, Billardspieler und Stahlarbeiter-Witwen:
Karl-Heinz, den sie Bürgermeister nennen / Karl, ein
erfolgreicher Boxtrainer / Hermann, dessen Urgroßvater ein
Eisbär aus Grönland war / Josef, ein menschenfreundlicher
Pförtner und Schachmeister / der alte Gärtner, dessen Hühner der
Fuchs holt / ein bizarrer Aquarianer / der Rolls Royce-Fahrer vom
Schloßrestaurant / ein Maler, der sich selbst bemalen lässt und
Socke, ein Schäferhundmischling. Und am Freitag gehen
Türken aus der Nachbarschaft zum Gebet in die kleine Moschee.
(aus 100 Dokumentarfilme zum Ruhrgebiet 1963 2004,
dfi - Dokumentarfilminitiative im Fimbüro NW)